Lausan­ner Er­klä­rung

Ein­lei­tung

Wir, Glie­der der Ge­mein­de Je­su Chris­ti aus mehr als 150 Na­tio­nen, Teil­neh­mer am In­ter­na­tio­na­len Kon­gress für Welt­evan­ge­li­sa­ti­on in Lau­sanne, lo­ben Gott, weil Er Sein Heil ge­schenkt hat und freu­en uns an der Ge­mein­schaft, die Er uns mit Ihm und un­ter­ein­an­der schenkt. Got­tes Wir­ken in un­se­rer Zeit be­wegt uns tief. Un­ser Ver­sa­gen führt uns zur Bu­ße. Die un­voll­ende­te Auf­ga­be der Evan­ge­li­sa­ti­on for­dert uns her­aus. Wir glau­ben, dass das Evan­ge­li­um Got­tes gu­te Nach­richt für die gan­ze Welt ist. Durch Sei­ne Gna­de sind wir ent­schlos­sen, dem Auf­trag Je­su Chris­ti zu ge­hor­chen, in­dem wir Sein Heil der gan­zen Mensch­heit ver­kün­di­gen, um al­le Völ­ker zu Jün­gern zu ma­chen. Dar­um wol­len wir un­se­ren Glau­ben und un­se­ren Ent­schluss be­kräf­ti­gen und un­se­rer Ver­pflich­tung öf­fent­lich Aus­druck ge­ben.

1. Der Plan Got­tes

Wir be­kräf­ti­gen un­se­ren Glau­ben an den ei­nen ewi­gen Gott, Schöp­fer und Herrn der Welt, Va­ter, Sohn und Hei­li­ger Geist, der al­le Din­ge nach dem Rat­schluss Sei­nes Wil­lens re­giert. Er hat Sein Volk aus der Welt her­aus­ge­ru­fen und sen­det es zu­rück in die Welt, als Sei­ne Die­ner und Zeu­gen. Er hat die Gläu­bi­gen zur Aus­brei­tung Sei­nes Rei­ches, zur Er­bau­ung des Lei­bes Chris­ti und zur Ver­herr­li­chung Sei­nes Na­mens her­aus­ge­ru­fen. Wir be­ken­nen und be­reu­en, dass wir un­se­rer Be­ru­fung oft un­treu ge­we­sen sind und un­se­ren Auf­trag nicht er­füllt ha­ben, in­dem wir uns der Welt an­pass­ten oder uns von ihr zu­rück­zo­gen. Doch freu­en wir uns dar­an, dass das Evan­ge­li­um, selbst wenn es in ir­de­nen Ge­fä­ßen ge­fasst ist, ein kost­ba­rer Schatz ist. Er­neut über­neh­men wir die Auf­ga­be, die­sen Schatz durch die Kraft des Hei­li­gen Geis­tes be­kannt­zu­ma­chen.1

2. Die Au­to­ri­tät der Bi­bel

Wir hal­ten fest an der gött­li­chen In­spi­ra­ti­on, der ge­wiss ma­chen­den Wahr­heit und Au­to­ri­tät der alt- und neu­tes­ta­ment­li­chen Schrif­ten in ih­rer Ge­samt­heit als dem ein­zi­gen ge­schrie­be­nen Wort Got­tes. Es ist oh­ne Irr­tum in al­lem, was es be­kräf­tigt und ist der ein­zi­ge un­fehl­ba­re Maß­stab des Glau­bens und Le­bens. Wir be­ken­nen zu­gleich die Macht des Wor­tes Got­tes, Sei­nen Heils­plan zu ver­wirk­li­chen. Die Bot­schaft der Bi­bel ist an die gan­ze Mensch­heit ge­rich­tet, denn Got­tes Of­fen­ba­rung in Chris­tus und in der Hei­li­gen Schrift ist un­wan­del­bar. Der Hei­li­ge Geist spricht noch heu­te durch die­se Of­fen­ba­rung. Er er­leuch­tet Sein Volk in al­len Kul­tu­ren. So er­ken­nen die Gläu­bi­gen Sei­ne Wahr­heit im­mer neu. Der Hei­li­ge Geist ent­hüllt der gan­zen Ge­mein­de mehr und mehr die viel­fäl­ti­ge Weis­heit Got­tes.2

3. Ein­zig­ar­tig­keit und Uni­ver­sa­li­tät Je­su Chris­ti

Wir be­kräf­ti­gen: Es gibt nur ei­nen Er­lö­ser und nur ein Evan­ge­li­um, je­doch ei­ne gro­ße Viel­falt evan­ge­lis­ti­scher Ar­beits­wei­sen. Zwar wis­sen wir, dass al­le Men­schen aus der all­ge­mei­nen Of­fen­ba­rung in der Na­tur Gott er­ken­nen kön­nen, aber wir be­strei­ten, dass sie dies er­ret­ten kann, denn sie un­ter­drü­cken die Wahr­heit durch Un­ge­rech­tig­keit. Als Her­ab­set­zung Je­su Chris­ti und des Evan­ge­li­ums leh­nen wir jeg­li­chen Syn­kre­tis­mus ab und je­den Dia­log, der vor­gibt, dass Je­sus Chris­tus glei­cher­ma­ßen durch al­le Re­li­gio­nen und Ideo­lo­gi­en spricht. Je­sus Chris­tus, wah­rer Mensch und wah­rer Gott, hat sich selbst als die ein­zi­ge Er­lö­sung für Sün­der da­hin ge­ge­ben. Er ist der ein­zi­ge Mitt­ler zwi­schen Gott und Men­schen. Es ist auch kein an­de­rer Na­me, durch den wir ge­ret­tet wer­den. Al­le Men­schen ge­hen an ih­rer Sün­de ver­lo­ren, Gott aber liebt al­le. Er will nicht, daß je­mand ver­lo­ren wer­de, son­dern dass sich je­der­mann zur Bu­ße keh­re. Wer aber Je­sus Chris­tus ab­lehnt, ver­schmäht die Freu­de des Heils und ver­dammt sich selbst zur ewi­gen Tren­nung von Gott. Wenn Je­sus als der “Er­lö­ser der Welt” ver­kün­digt wird, so heißt das nicht, dass al­le Men­schen von vorn­her­ein oder am En­de doch noch ge­ret­tet wer­den. Man kann erst recht nicht be­haup­ten, dass al­le Re­li­gio­nen das Heil in Chris­tus an­bie­ten. Viel­mehr muss Got­tes Lie­be ei­ner Welt von Sün­dern ver­kün­digt wer­den. Al­le Men­schen sind ein­ge­la­den, Ihn in per­sön­li­cher Hin­ga­be durch Bu­ße und Glau­ben als Hei­land und Herrn an­zu­er­ken­nen. Je­sus Chris­tus ist er­höht über al­le Na­men. Wir seh­nen uns nach dem Tag, an dem sich al­ler Knie vor Ihm beu­gen und al­le Zun­gen be­ken­nen, dass Er der Herr sei.3

4. We­sen der Evan­ge­li­sa­ti­on

Evan­ge­li­sie­ren heißt, die gu­te Nach­richt zu ver­brei­ten, dass Je­sus Chris­tus für un­se­re Sün­den starb und von den To­ten auf­er­stand nach der Schrift und dass Er jetzt die Ver­ge­bung der Sün­den und die be­frei­en­de Ga­be des Geis­tes al­len de­nen an­bie­tet, die Bu­ße tun und glau­ben. Für Evan­ge­li­sa­ti­on ist un­se­re Prä­senz als Chris­ten in der Welt un­er­läss­lich, eben­so ei­ne Form des Dia­logs, die durch ein­fühl­sa­mes Hö­ren zum Ver­ste­hen des an­de­ren führt. Evan­ge­li­sa­ti­on ist ih­rem We­sen nach die Ver­kün­di­gung des his­to­ri­schen bi­bli­schen Chris­tus als Hei­land und Herrn. Ziel ist es, Men­schen zu be­we­gen, zu Ihm per­sön­lich zu kom­men und so mit Gott ver­söhnt zu wer­den. Wer die Ein­la­dung des Evan­ge­li­ums aus­spricht, darf nicht ver­schwei­gen, dass Nach­fol­ge et­was kos­tet. Je­sus ruft al­le, die Ihm nach­fol­gen möch­ten, auf, sich selbst zu ver­leug­nen, ihr Kreuz auf sich zu neh­men und sich mit Sei­ner neu­en Ge­mein­schaft zu iden­ti­fi­zie­ren. Das Er­geb­nis der Evan­ge­li­sa­ti­on schließt Ge­hor­sam ge­gen­über Je­sus Chris­tus, Ein­glie­de­rung in Sei­ne Ge­mein­de und ver­ant­wort­li­chen Dienst in der Welt ein.4

5. So­zia­le Ver­ant­wor­tung der Chris­ten

Wir be­kräf­ti­gen, dass Gott zu­gleich Schöp­fer und Rich­ter al­ler Men­schen ist. Wir müs­sen des­halb Sei­ne Sor­ge um Ge­rech­tig­keit und Ver­söh­nung in der gan­zen mensch­li­chen Ge­sell­schaft tei­len. Sie zielt auf die Be­frei­ung der Men­schen von je­der Art von Un­ter­drü­ckung. Da die Men­schen nach dem Eben­bild Got­tes ge­schaf­fen sind, be­sitzt je­der­mann, un­ge­ach­tet sei­ner Ras­se, Re­li­gi­on, Far­be, Kul­tur, Klas­se, sei­nes Ge­schlechts oder Al­ters, ei­ne an­ge­bo­re­ne Wür­de. Dar­um soll er nicht aus­ge­beu­tet, son­dern an­er­kannt und ge­för­dert wer­den. Wir tun Bu­ße für die­ses un­ser Ver­säum­nis und da­für, dass wir manch­mal Evan­ge­li­sa­ti­on und so­zia­le Ver­ant­wor­tung als sich ge­gen­sei­tig aus­schlie­ßend an­ge­se­hen ha­ben. Ver­söh­nung zwi­schen Men­schen ist nicht gleich­zei­tig Ver­söh­nung mit Gott, so­zia­le Ak­ti­on ist nicht Evan­ge­li­sa­ti­on, po­li­ti­sche Be­frei­ung ist nicht Heil. Den­noch be­kräf­ti­gen wir, dass Evan­ge­li­sa­ti­on und so­zia­le wie po­li­ti­sche Be­tä­ti­gung glei­cher­ma­ßen zu un­se­rer Pflicht als Chris­ten ge­hö­ren. Denn bei­de sind not­wen­di­ge Aus­drucks­for­men un­se­rer Leh­re von Gott und dem Men­schen, un­se­rer Lie­be zum Nächs­ten und un­se­rem Ge­hor­sam ge­gen­über Je­sus Chris­tus. Die Bot­schaft des Heils schließt ei­ne Bot­schaft des Ge­richts über je­de Form der Ent­frem­dung, Un­ter­drü­ckung und Dis­kri­mi­nie­rung ein. Wir sol­len uns nicht scheu­en, Bos­heit und Un­recht an­zu­pran­gern, wo im­mer sie exis­tie­ren. Wenn Men­schen Chris­tus an­neh­men, kom­men sie durch Wie­der­ge­burt in Sein Reich. Sie müs­sen ver­su­chen, Sei­ne Ge­rech­tig­keit nicht nur dar­zu­stel­len, son­dern sie in­mit­ten ei­ner un­ge­rech­ten Welt auch aus­zu­brei­ten. Das Heil, das wir für uns be­an­spru­chen, soll uns in un­se­rer ge­sam­ten per­sön­li­chen und so­zia­len Ver­ant­wor­tung ver­än­dern. Glau­be oh­ne Wer­ke ist tot.5

6. Ge­mein­de und Evan­ge­li­sa­ti­on

Wir be­kräf­ti­gen, dass Je­sus Chris­tus Sei­ne er­lös­te Ge­mein­de in die Welt sen­det, wie der Va­ter Ihn ge­sandt hat. Das er­for­dert, dass wir eben­so tief und auf­op­fernd die Welt durch­drin­gen. Wir müs­sen aus un­se­ren kirch­li­chen Ghet­tos aus­bre­chen und in ei­ne nicht­christ­li­che Ge­sell­schaft ein­drin­gen. Bei der Sen­dung der Ge­mein­de zum hin­ge­bungs­vol­len Dienst steht Evan­ge­li­sa­ti­on an ers­ter Stel­le. Die Evan­ge­li­sa­ti­on der Welt ver­langt, dass die gan­ze Ge­mein­de der gan­zen Welt das gan­ze Evan­ge­li­um bringt. Die Ge­mein­de bil­det die Mit­te des welt­um­fas­sen­den Pla­nes Got­tes und ist Sein aus­er­wähl­tes Werk­zeug zur Ver­brei­tung des Evan­ge­li­ums. Ei­ne Ge­mein­de, die das Kreuz pre­digt, muss sel­ber durch das Kreuz ge­prägt sein. Ei­ne Ge­mein­de wird zum ernst­haf­ten Hin­der­nis der Evan­ge­li­sa­ti­on, wenn sie das Evan­ge­li­um preis­gibt, in kei­nem wirk­lich le­ben­di­gen Ver­hält­nis zu Gott steht, die Men­schen zu we­nig lieb­hat und ihr auch in je­der Hin­sicht, ein­schließ­lich Wer­bung und Fi­nanz­an­ge­le­gen­hei­ten, Lau­ter­keit fehlt. Die Ge­mein­de ist nicht so sehr In­sti­tu­ti­on als viel­mehr die Ge­mein­schaft des Vol­kes Got­tes und darf mit kei­ner be­stimm­ten Kul­tur, kei­nem so­zia­len oder po­li­ti­schen Sys­tem, kei­ner von Men­schen ge­mach­ten Ideo­lo­gie gleich­ge­setzt wer­den.6

7. Zu­sam­men­ar­beit in der Evan­ge­li­sa­ti­on

Wir be­kräf­ti­gen, dass die sicht­ba­re Ein­heit der Ge­mein­de in Wahr­heit Got­tes Ziel ist. Evan­ge­li­sa­ti­on ruft uns auch zur Ein­heit auf, weil un­se­re Un­ei­nig­keit das Evan­ge­li­um der Ver­söh­nung un­ter­gräbt. Wir stel­len je­doch fest, dass es or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit in vie­len For­men ge­ben kann, da­durch aber nicht un­be­dingt die Evan­ge­li­sa­ti­on ge­för­dert wird. Wir aber, die wir den glei­chen bi­bli­schen Glau­ben ha­ben, sol­len uns eng in Ge­mein­schaft, Dienst und Zeug­nis ver­ei­nen. Wir be­ken­nen, dass un­ser Zeug­nis manch­mal durch sünd­haf­ten In­di­vi­dua­lis­mus und un­nö­ti­ge Über­schnei­dung be­ein­träch­tigt wur­de. Wir ver­pflich­ten uns, ei­ne tie­fe­re Ein­heit in Wahr­heit, An­be­tung, Hei­li­gung und Sen­dung zu su­chen. Wir drän­gen auf die Ent­wick­lung re­gio­na­ler und funk­tio­na­ler Zu­sam­men­ar­beit, um die Sen­dung der Ge­mein­de, die stra­te­gi­sche Pla­nung, die ge­gen­sei­ti­ge Er­mu­ti­gung, die ge­mein­sa­me Nut­zung der Mit­tel und Er­fah­run­gen vor­an­zu­trei­ben.7

8. Ge­mein­den in evan­ge­lis­ti­scher Part­ner­schaft

Wir freu­en uns, dass ein neu­es Zeit­al­ter der Mis­si­on an­ge­bro­chen ist. Die be­herr­schen­de Stel­lung west­li­cher Mis­sio­nen schwin­det zu­se­hends. Gott hat in den jun­gen Kir­chen ei­ne gro­ße Quel­le der Welt­evan­ge­li­sa­ti­on ent­ste­hen las­sen und zeigt da­mit, dass die Ver­ant­wor­tung für die Evan­ge­li­sa­ti­on dem gan­zen Leib Chris­ti zu­kommt. Je­de Ge­mein­de soll da­her Gott und sich selbst fra­gen, was sie tun muss, um nicht nur in ih­rem ei­ge­nen Be­reich zu wir­ken, son­dern auch Mis­sio­na­re in an­de­re Tei­le der Welt zu ent­sen­den. Ei­ne neue Über­prü­fung un­se­rer mis­sio­na­ri­schen Ver­ant­wor­tung und Auf­ga­be soll stän­dig voll­zo­gen wer­den. Auf die­se Wei­se wächst die Part­ner­schaft der Ge­mein­den, und der welt­wei­te Cha­rak­ter der ei­nen Ge­mein­de Chris­ti wird deut­li­cher her­vor­tre­ten. Wir dan­ken Gott für die Wer­ke, die sich um die Über­set­zung der Bi­bel, um theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung, Mas­sen­me­di­en, christ­li­che Li­te­ra­tur, Evan­ge­li­sa­ti­on, Mis­si­on, Er­neue­rung der Ge­mein­de und an­de­re Auf­ga­ben­be­rei­che be­mü­hen. Auch sie sol­len sich in stän­di­ger Über­prü­fung fra­gen, ob ih­re Wirk­sam­keit als Be­stand­teil der Sen­dung der Ge­mein­de gel­ten kann.8

9. Dring­lich­keit der evan­ge­lis­ti­schen Auf­ga­be

über 2,7 Mil­li­ar­den Men­schen, mehr als zwei Drit­tel der Mensch­heit, müs­sen noch mit dem Evan­ge­li­um be­kannt­ge­macht wer­den. Wir schä­men uns, dass so vie­le ver­nach­läs­sigt wur­den; das ist ein stän­di­ger Vor­wurf ge­gen uns und die gan­ze Kir­che. Je­doch ist jetzt in vie­len Tei­len der Welt ei­ne bei­spiel­lo­se Auf­nah­me­be­reit­schaft für den Herrn Je­sus Chris­tus zu er­ken­nen. Wir sind über­zeugt, dass jetzt die Zeit für Ge­mein­den und über­ge­meind­li­che Wer­ke ge­kom­men ist, ernst­haft für das Heil der bis­her nicht Er­reich­ten zu be­ten und neue An­stren­gun­gen für Welt­evan­ge­li­sa­ti­on zu un­ter­neh­men. In ei­nem Land, das das Evan­ge­li­um ge­hört hat, kann es bis­wei­len not­wen­dig sein, Mis­sio­na­re und Geld aus dem Aus­land zu re­du­zie­ren, um den Ge­mein­den im Land die Mög­lich­keit zum selb­stän­di­gen Wachs­tum zu ge­ben und um Hil­fen für Ge­bie­te, die das Evan­ge­li­um noch nicht ge­hört ha­ben, frei­zu­set­zen. Mis­sio­na­re sol­len in zu­neh­men­dem Ma­ße von al­len Kon­ti­nen­ten in al­le Kon­ti­nen­te im Geist de­mü­ti­gen Diens­tes un­ge­hin­dert ge­hen. Ziel soll sein, al­le ver­füg­ba­ren Mit­tel zu be­nut­zen, so früh wie mög­lich je­dem die Ge­le­gen­heit zu ge­ben, die gu­te Nach­richt zu hö­ren, zu ver­ste­hen und an­zu­neh­men. Oh­ne Op­fer wer­den wir die­ses Ziel nicht er­rei­chen. Die Ar­mut von Mil­lio­nen er­schüt­tert uns al­le. Wir sind ver­stört über die Un­ge­rech­tig­keit, die die­se Ar­mut ver­ur­sacht. Wer im Wohl­stand lebt, muss ei­nen ein­fa­chen Le­bens­stil ent­wi­ckeln, um groß­zü­gi­ger zur Hil­fe und Evan­ge­li­sa­ti­on bei­zu­tra­gen.9

10. Evan­ge­li­sa­ti­on und Kul­tur

Die Ent­wick­lung von Stra­te­gi­en zur Welt­evan­ge­li­sa­ti­on er­for­dert bei der Wahl der Me­tho­den Ein­falls­reich­tum. Mit Got­tes Hil­fe wer­den Ge­mein­den ent­ste­hen, die in Je­sus Chris­tus fest ge­grün­det und eng mit ih­rer kul­tu­rel­len Um­welt ver­bun­den sind. Je­de Kul­tur muss im­mer wie­der von der Schrift her ge­prüft und be­ur­teilt wer­den. Weil der Mensch Got­tes Ge­schöpf ist, birgt sei­ne Kul­tur Schön­heit und Gü­te in rei­chem Ma­ße. Weil er aber ge­fal­len ist, wur­de al­les durch Sün­de be­fleckt. Man­ches ge­riet un­ter dä­mo­ni­schen Ein­fluss. Das Evan­ge­li­um gibt kei­ner Kul­tur den Vor­rang, son­dern be­ur­teilt al­le Kul­tu­ren nach sei­nem ei­ge­nen Maß­stab der Wahr­heit und Ge­rech­tig­keit und er­hebt ab­so­lu­te ethi­sche For­de­run­gen ge­gen­über je­der Kul­tur. Mis­sio­nen ha­ben all­zu oft mit dem Evan­ge­li­um ei­ne frem­de Kul­tur ex­por­tiert, und Ge­mein­den wa­ren mit­un­ter mehr an ei­ne Kul­tur als an die Schrift ge­bun­den. Evan­ge­lis­ten Chris­ti müs­sen de­mü­tig da­nach trach­ten, sich selbst zu ver­leug­nen, oh­ne ih­re Per­sön­lich­keit preis zu ge­ben, um Die­ner an­de­rer wer­den zu kön­nen. Die Ge­mein­den sol­len Kul­tur um­ge­stal­ten und be­rei­chern, da­mit Gott ver­herr­licht wird.10

11. Aus­bil­dung und Ge­mein­de­lei­tung

Wir be­ken­nen, dass wir manch­mal das Wachs­tum der Ge­mein­de auf Kos­ten ih­rer Ver­tie­fung be­trie­ben ha­ben und Evan­ge­li­sa­ti­on an den Fern­ste­hen­den von der geist­li­chen Stär­kung der Ge­mein­de ge­trennt ha­ben. Wir ge­ben auch zu, dass ei­ni­ge un­se­rer Mis­si­ons­wer­ke zu lan­ge ge­zö­gert ha­ben, ein­hei­mi­sche Füh­rungs­kräf­te zu­zu­rüs­ten und zu er­mu­ti­gen, die ih­nen zu­ste­hen­de Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Da­her be­ja­hen wir den Grund­satz der Ei­gen­stän­dig­keit und stre­ben an, dass je­de Ge­mein­de ein­hei­mi­sche Lei­ter hat, die christ­li­chen Füh­rungs­stil ver­wirk­li­chen, der sich nicht im Herr­schen, son­dern im Die­nen zeigt. Wir er­ken­nen die Not­wen­dig­keit, die theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung ins­be­son­de­re für die­je­ni­gen, die die Ge­mein­de lei­ten sol­len, zu ver­bes­sern. In je­dem Volk und in je­der Kul­tur soll­te es ein wir­kungs­vol­les Aus­bil­dungs­pro­gramm für Pas­to­ren und Lai­en in Glau­bens­leh­re, Nach­fol­ge, Evan­ge­li­sa­ti­on, Er­bau­ung und Dienst ge­ben. Ein sol­ches Aus­bil­dungs­pro­gramm soll­te sich nicht auf scha­blo­nen­haf­te Me­tho­dik ver­las­sen, son­dern durch schöp­fe­ri­sche, ein­hei­mi­sche In­itia­ti­ve nach bi­bli­schen Maß­stä­ben ent­wi­ckelt wer­den.11

12. Geist­li­che Aus­ein­an­der­set­zung

Wir glau­ben, dass wir uns in ei­nem stän­di­gen geist­li­chen Kampf mit den Fürs­ten und Ge­wal­ti­gen des Bö­sen be­fin­den, die ver­su­chen, die Ge­mein­de zu über­wäl­ti­gen und sie an ih­rer Auf­ga­be der Evan­ge­li­sa­ti­on der Welt zu hin­dern. Wir er­ken­nen die Not­wen­dig­keit, uns mit der Waf­fen­rüs­tung Got­tes zu ver­se­hen und die­sen Kampf mit den geist­li­chen Waf­fen der Wahr­heit und des Ge­be­tes zu füh­ren. Denn wir ent­de­cken die Ak­ti­vi­tät des Fein­des nicht al­lein in fal­schen Ideo­lo­gi­en au­ßer­halb der Ge­mein­de, son­dern glei­cher­ma­ßen in der Ge­mein­de durch die Ver­kün­di­gung ei­nes an­de­ren Evan­ge­li­ums, das die Schrift ver­kehrt und den Men­schen an die Stel­le Got­tes setzt. Wir müs­sen wach­sam sein und die Geis­ter un­ter­schei­den, um die bi­bli­sche Bot­schaft zu ge­währ­leis­ten. Wir ge­ben zu, dass wir sel­ber nicht im­mer ge­gen die Welt­lich­keit in un­se­ren Ge­dan­ken und Ta­ten im­mun sind, so dass wir uns dem Sä­ku­la­ris­mus aus­lie­fern. Ob­wohl, um ein Bei­spiel zu nen­nen, sorg­fäl­ti­ge Un­ter­su­chun­gen über zah­len­mä­ßi­ges und geist­li­ches Wachs­tum der Ge­mein­de rich­tig und wert­voll sind, ha­ben wir sie manch­mal nicht be­ach­tet. Manch­mal ha­ben wir un­se­re Bot­schaft ver­wäs­sert und durch Ma­ni­pu­la­ti­on un­se­re Zu­hö­rer un­ter Druck ge­setzt, um für das Evan­ge­li­um ei­nen Er­folg zu er­zie­len. Wir ha­ben zu gro­ßen Wert auf Sta­tis­ti­ken ge­legt und die­se Un­ter­la­gen so­gar un­lau­ter be­nutzt. All dies ist welt­lich. Die Ge­mein­de muss in der Welt le­ben, aber die Welt darf die Ge­mein­de nicht be­herr­schen.12

13. Frei­heit und Ver­fol­gung

Es ist Got­tes Auf­trag für je­de Re­gie­rung, die Be­din­gun­gen für Frie­den, Ge­rech­tig­keit und Frei­heit zu ge­währ­leis­ten, un­ter de­nen die Ge­mein­de Gott ge­hor­chen, dem Herrn Chris­tus die­nen und das Evan­ge­li­um oh­ne Be­ein­träch­ti­gung ver­kün­den kann. Des­halb be­ten wir für die, die in den Na­tio­nen Ver­ant­wor­tung tra­gen und ap­pel­lie­ren an sie, die Frei­heit der Ge­dan­ken und des Ge­wis­sens zu ga­ran­tie­ren und die Frei­heit zur Aus­übung und Aus­brei­tung der Re­li­gi­on in Über­ein­stim­mung mit dem Wil­len Got­tes zu ge­währ­leis­ten, wie dies in der all­ge­mei­nen Er­klä­rung der Men­schen­rech­te fest­ge­legt ist. Zu­gleich brin­gen wir un­se­re tie­fe Sor­ge für all die­je­ni­gen zum Aus­druck, die un­recht­mä­ßig in Ge­fan­gen­schaft sind, be­son­ders für un­se­re Brü­der, die we­gen ih­res Zeug­nis­ses für den Herrn Je­sus lei­den. Wir ge­lo­ben, für ih­re Frei­heit zu be­ten und zu wir­ken. Eben­so wei­gern wir uns, uns durch ihr Schick­sal ein­schüch­tern zu las­sen. Gott mö­ge uns hel­fen, daß wir uns ge­gen Un­ge­rech­tig­keit auf­leh­nen und dem Evan­ge­li­um treu blei­ben, was im­mer es kos­te. Wir ver­ges­sen die War­nung Je­su nicht, dass Ver­fol­gung un­aus­weich­lich ist.13

14. Die Kraft des Hei­li­gen Geis­tes

Wir glau­ben an die Kraft des Hei­li­gen Geis­tes. Der Va­ter sand­te Sei­nen Geist zum Zeug­nis für Sei­nen Sohn; oh­ne Sein Zeug­nis ist un­ser Zeug­nis ver­geb­lich. Er­kennt­nis der Sün­de, Glau­be an Chris­tus, Wie­der­ge­burt und Wachs­tum im Glau­ben sind Sein Werk. Der Hei­li­ge Geist ist ein mis­sio­na­ri­scher Geist. Evan­ge­li­sa­ti­on soll des­halb aus der geis­ter­füll­ten Ge­mein­de wie von selbst er­wach­sen. Wenn ei­ne Ge­mein­de kei­ne mis­sio­na­ri­sche Ge­mein­de ist, wi­der­spricht sie sich selbst und dämpft den Geist. Welt­wei­te Evan­ge­li­sa­ti­on ver­mag nur dann ei­ne Chan­ce der Ver­wirk­li­chung zu fin­den, wenn der Hei­li­ge Geist die Ge­mein­de in Wahr­heit und Weis­heit, in Glau­be und Hei­li­gung, in Lie­be und Voll­macht er­neu­ert. Wir ru­fen des­halb al­le Chris­ten auf, um ein gnä­di­ges Kom­men des sou­ve­rä­nen Geis­tes Got­tes zu be­ten, daß al­le Sei­ne Ga­ben den Leib Chris­ti be­rei­chern. Nur dann wird die gan­ze Ge­mein­de ein taug­li­ches Werk­zeug in Sei­ner Hand sein, da­mit die gan­ze Welt Sei­ne Stim­me hört.14

15. Wie­der­kunft Chris­ti

Wir glau­ben, dass Je­sus Chris­tus per­sön­lich sicht­bar in Macht und Herr­lich­keit wie­der­kom­men wird, Heil und Ge­richt zu voll­enden. Die Ver­hei­ßung Sei­nes Kom­mens ist ein wei­te­rer An­sporn für un­se­re Evan­ge­li­sa­ti­on, denn wir ge­den­ken Sei­ner Wor­te, dass die Bot­schaft zu­erst al­len Völ­kern ver­kün­digt wer­den muss. Wir glau­ben, dass die Zeit zwi­schen Chris­ti Him­mel­fahrt und Sei­ner Wie­der­kunft von der Sen­dung des Vol­kes Got­tes ge­füllt wer­den muss. Wir ha­ben kein Recht, die Mis­si­on vor dem En­de der Zei­ten ab­zu­bre­chen. Wir er­in­nern uns an Sei­ne War­nun­gen, dass fal­sche Chris­tus­se und fal­sche Pro­phe­ten sich als Vor­läu­fer des An­ti­chris­ten er­he­ben wer­den. Des­halb wi­der­ste­hen wir dem stol­zen und selbst­si­che­ren Traum, dass die Mensch­heit je­mals Uto­pia auf Er­den bau­en kann. Un­ser christ­li­cher Glau­be ruht dar­in, dass Gott Sein Reich voll­enden wird, und wir bli­cken er­war­tungs­voll auf den Tag, an dem ein neu­er Him­mel und ei­ne neue Er­de sein wer­den, in de­nen Ge­rech­tig­keit wohnt und Gott für im­mer re­giert. Bis da­hin ver­pflich­ten wir uns zum Dienst für Chris­tus und die Men­schen in freu­di­ger Hin­ga­be an Sei­ne Herr­schaft über un­ser gan­zes Le­ben.15

Ver­pflich­tung

Des­halb ver­pflich­ten wir uns im Licht die­ses un­se­res Glau­bens und un­se­rer Ent­schei­dung fei­er­lich vor Gott und vor­ein­an­der, für die Evan­ge­li­sa­ti­on der gan­zen Welt zu­sam­men zu be­ten, zu pla­nen und zu wir­ken. Wir ru­fen an­de­re auf, sich uns an­zu­schlie­ßen. Mö­ge Gott uns durch Sei­ne Gna­de hel­fen, da­mit wir zu Sei­ner Eh­re die­ser un­se­rer Ver­pflich­tung treu blei­ben. Amen.

1 (Jes. 40,28; Matth. 28,19; Eph. 1,11; Apg. 15,14; Joh. 17,6.18; Eph. 4,12; 1. Kor. 5,10; Rö. 12,2; 2. Kor. 4,7)

2 (2. Tim. 3,16; 2. Petr. 1,21; Joh. 10,35; Matth. 5,17.18; Eph. 1,17.18; 3,10.18)

3 (Gal. 1,6−9; Joh. 1,9; Apg. 17,26−28; 1. Tim. 2,5−6; Apg. 4,12; 2. Petr. 3,9; 1. Tim. 2,3−4; Joh. 3,16−19; 4,42; Phil. 2,9−11)

4 (1. Kor. 15,3−4; Apg. 2,28; Joh. 20,21; 2. Kor. 4,5; 5,11.20; Apg. 2,47; Mk. 10,43−45)

5 (Apg. 17,26.31; 1. Mo. 18,25; Jes. 1,17; Ps. 45,7; 1. Mo. 1,26.27; Jak. 3,9; 3. Mo. 19,18; Luk. 6,27.35; Jak. 2,14−26; Matth. 5,20; 6,33; 2. Kor. 3,18; Jak. 2,20)

6 (Joh. 17,18; 20,21; Matth. 20,19−20; Apg. 1,8; 20,27; Eph. 1,9- 10; 3,9−11; Gal. 6,14.17; 2. Kor. 6,3−4; 2. Tim. 2,19.21; Phil. 1,27)

7 (Joh. 17,21.23; Eph. 4,3.4; Joh. 13,35; Phil. 1,27; Joh. 17,11- 23)

8 (Rö. 1,8; Phil. 1,5; 4,15; Apg. 13,1−3; 1. Thess. 1,6−8)

9 (Joh. 9,4; Matth. 9,35−38; Rö. 9−1−3; 1. Kor. 9,19−23; Mk. 16,15; Jes. 58,6−7; Jak. 1,27; 2,1−9; Matth. 25,31−46; Apg. 2,44−45; 4,34−35)

10 (Mk. 7,8−9.13; 1. Mo. 4,21−22; 1. Kor. 9,19−23; Phil. 2,5−7; 2. Kor. 4,5)

11 (Kol. 1,27−28; Apg. 14,23; Tit. 1,5.9; Mk. 10,42−45; Eph. 4,11- 12)

12 (Eph. 6,12; 2. Kor. 4,3−4; Eph. 6,11.13 – 18; 2. Kor. 10,3−5; 1. Joh. 2,18−26; 4,1−3; Gal. 1,6−9; 2. Kor. 2,17; 4,2; Joh. 17,15)

13 (1. Tim. 1,1−4; Apg. 4,19; 5,29; Kol. 3,24; He­br. 13,1−3; Lk. 4,18; Gal. 5,11; 6,12; Matth. 5,10−12; Joh. 15,18−21)

14 (1. Kor. 2,4; Joh. 15,26−27; 16,8−11; 1. Kor. 12,3; Joh. 3,6−8; 2. Kor. 3,18; Joh. 7,37−39; 1. Thess. 5,19; Apg. 1,8; Ps. 85,4- 7; 67,1−3; Gal. 5,22−23; 1. Kor. 12,4−31; Rö. 12,3−8)

15 (Mk. 14,62; He­br. 9,28; Mk. 13,10; Apg. 1,8−11; Matth. 28,20; Mk. 13,21−23; Joh. 2,18; 4,1−3; Lk. 12,32; Off. 21,1−5; 2. Petr. 3,13; Matth. 28,18)

Im­pres­sum
“Die Lau­san­ner Ver­pflich­tung” wur­de ver­öf­fent­licht von der Lau­san­ner Be­we­gung für Welt­evan­ge­li­sa­ti­on.

Her­aus­ge­ber: Lau­san­ner Ko­mi­tee für Welt­evan­ge­li­sa­ti­on – Deut­scher Zweig – in Ver­bin­dung mit der Deut­schen Evan­ge­li­schen Al­li­anz und der Ar­beits­ge­mein­schaft Mis­sio­na­ri­scher Diens­te in der EKD.

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