Guntram Wurst

Zeit­geist vs. Hei­li­ger Geist

Ich er­in­ne­re mich noch gut an mei­ne Ju­gend­zeit in der DDR. Mei­nungs­viel­falt war im So­zia­lis­mus kein The­ma. Sie war nicht er­wünscht. Viel­mehr gab es zu fast al­len Din­gen ei­ne „of­fi­zi­el­le“ Mei­nung, die vom Staat pro­pa­giert und von den Men­schen über­nom­men, ge­glaubt und ver­tre­ten wer­den soll­te. Es wur­de al­les da­für ge­tan, um die Men­schen im Sin­ne der so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie zu gu­ten Staats­bür­gern zu er­zie­hen. „Rot­lich­be­strah­lung“ nann­ten wir das. Wer sich dem wi­der­setz­te, mit ei­ner an­de­ren Mei­nung aus der ein­heit­li­chen Rei­he aus­brach und die­se auch noch öf­fent­lich ver­trat, be­kam Schwie­rig­kei­ten. Es brauch­te da­her Mut, es den­noch zu tun.
Vie­les er­in­nert mich heu­te in zu­neh­men­dem Ma­ße an da­mals. Auf dem Pa­pier le­ben wir in ei­ner De­mo­kra­tie, die ei­gent­lich von un­ter­schied­li­chen Mei­nun­gen und der To­le­ranz ge­gen­über an­de­ren An­sich­ten ge­kenn­zeich­net ist. Prak­tisch er­le­ben wir An­de­res. We­he dem, der ei­ne ab­wei­chen­de Mei­nung zu der öf­fent­lich ver­kün­de­ten Mehr­heits­mei­nung ver­tritt, sich dem herr­schen­den Zeit­geist nicht an­schließt und sich ihm so­gar noch ent­ge­gen­stellt. Der er­lebt die In­to­le­ranz der selbst er­nann­ten „To­le­ran­ten“. Je nach The­ma wird er pau­schal als Kli­ma­l­eug­ner, Rechts­ra­di­ka­ler oder Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ge­brand­markt, aus­ge­grenzt und an­ge­fein­det. Er wird zum „Aus­sät­zi­gen“ er­klärt und mit Ge­sprächs­ver­wei­ge­rung be­straft. Auch vie­le Jour­na­lis­ten ha­ben sich die­ser Ent­wick­lung mitt­ler­wei­le ge­beugt. Sie be­rich­ten nicht mehr ob­jek­tiv und mei­nungs­of­fen, da­mit nicht sie selbst in den Hin­ter­zim­mern der Re­dak­tio­nen und ih­re Ar­ti­kel in den Ar­chi­ven der Ver­la­ge ver­schwin­den. 
Lei­der macht die­se Ent­wick­lung auch um die Kir­chen kei­nen Bo­gen. Wer sich der bun­ten „Gott liebt und ak­zep­tiert al­les – Theo­lo­gie“ nicht an­schließt, der wird als in­to­le­ran­ter Fun­da­men­ta­list und ewig Gest­ri­ger be­zeich­net, der mit sei­nen pri­mi­ti­ven An­sich­ten den neu­es­ten Er­kennt­nis­sen im We­ge steht. Wer als Pre­di­ger nach dem Vor­bild von Je­sus Sün­de klar beim Na­men nennt und auch die töd­li­chen Kon­se­quen­zen er­wähnt, der wird als an­geb­lich lieb­lo­ser und dis­kri­mi­nie­ren­der Hass­pre­di­ger mit dik­ta­tur­ty­pi­schem Pre­digt­ver­bot be­legt und aus der Kir­che eli­mi­niert. Der Zeit­geist re­giert. Mei­nun­gen wer­den ihm an­ge­passt. Men­schen las­sen sich von ihm trei­ben und mit­rei­ßen. 
Über Got­tes Kin­der wird da­ge­gen et­was ganz An­de­res in der Bi­bel ge­sagt: „Wel­che der Geist Got­tes treibt, die sind Got­tes Kin­der.“ (Röm.8,14) Es ist dem­nach ein ent­schei­den­des Merk­mal der durch den Hei­li­gen Geist wie­der­ge­bo­re­nen Chris­ten, sich von die­sem un­ver­än­der­li­chen Geist der Wahr­heit lei­ten, füh­ren und an­trei­ben zu las­sen. Die ei­ge­ne Mei­nung da­ge­gen dem ver­än­der­li­chen Geist der Zeit an­zu­pas­sen, ist das Merk­mal der Kin­der die­ser Welt. 
Für Chris­ten kann da­her nur die De­vi­se sein: Hei­li­ger Geist statt Zeit­geist. So wie in mei­ner Ju­gend braucht es zu­neh­mend auch heu­te wie­der den Mut, sich nicht dem in der Welt herr­schen­den Zeit­geist zu beu­gen und der Mehr­heits­mei­nung an­zu­schlie­ßen, son­dern sich zu Je­sus als dem ein­zi­gen Weg zu Gott, zur Bi­bel als dem gül­ti­gem Wort Got­tes und zu ei­nem lie­be­vol­len und Je­sus ge­mä­ßen Ja zum Sün­der und ei­nem ent­schie­de­nen Nein zur Sün­de zu be­ken­nen. Mo­ti­viert und er­mu­tigt wer­den wir Chris­ten durch un­se­ren Herrn. Je­sus hat uns ge­sagt: „Wer sich vor den Men­schen zu mir be­kennt, zu dem wer­de auch ich mich vor mei­nem Va­ter im Him­mel be­ken­nen“ (Mt.10,32). Was für ei­ne wun­der­ba­re Zu­sa­ge. Wir wer­den nicht um­sonst für un­se­ren Herrn und sein Wort ein­tre­ten. Des­halb: Auch, wenn sie uns be­schimp­fen, aus­gren­zen und an­fein­den: Mu­tig vor­an! Für Je­sus. Mit Je­sus.

Gun­tram Wurst

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