Guntram Wurst

KATZE

Nach der Rück­kehr aus dem Ur­laub er­war­te­te uns ei­ne Über­ra­schung: Ei­ne wild le­ben­de Kat­ze hat­te in un­se­rem Gar­ten drei Jun­ge be­kom­men. In ei­nem klei­nen Häus­chen im Gar­ten fand die Fa­mi­lie ei­ne Blei­be. Wir hat­ten nichts da­ge­gen, konn­ten wir da­durch doch die nied­li­chen klei­nen Kätz­chen beim Ku­scheln, Spie­len und To­ben be­ob­ach­ten. Al­ler­dings währ­te die Freu­de dar­über nicht lan­ge: Plötz­lich ging es ei­nem der klei­nen Ka­ter schlecht. Er fraß nicht mehr, hat­te Fie­ber und ein ent­zün­de­tes Au­ge. Gu­ter Rat war teu­er, denn Er­fah­rungs­wer­te hat­ten wir nicht. Was war zu tun? Soll­ten wir der Na­tur ih­ren Lauf las­sen? Oder et­was un­ter­neh­men? Mich pack­te das Mit­leid. Ich konn­te die­ses klei­ne Ge­schöpf nicht ein­fach lei­den las­sen. Mit ei­ner ge­borg­ten Kat­zen­kis­te ging es zum Tier­arzt. Die Dia­gno­se lau­te­te Kat­zen­schnup­fen. Das klingt harm­los, ist es aber nicht. Es ist ei­ne oft töd­lich ver­lau­fen­de Vi­rus­er­kran­kung. Der Klei­ne be­kam ver­schie­de­ne Me­di­ka­men­te und ei­ne Au­gen­sal­be ver­ord­net. Ich be­kam die Rech­nung. Die nächs­ten Ta­ge wur­den in­ter­es­sant. Je­den Früh und Abend muss­ten die un­ter­schied­li­chen Me­di­ka­men­te ver­ab­reicht und da­für im Fut­ter ver­steckt wer­den. Die un­an­ge­neh­me Au­gen­sal­ben-Pro­ze­dur ließ der klei­ne Kerl gut­wil­lig zwei­mal täg­lich über sich er­ge­hen. Nach we­ni­gen Ta­gen trat Bes­se­rung ein. Das Au­ge heil­te ab. Der Klei­ne wur­de wie­der mo­bil. Wir hat­ten es ge­schafft. Er war ge­ret­tet und gesund. 

Was dann pas­sier­te, hat mich sehr be­wegt. Wann im­mer ich aus der Kel­ler­tür trat, kam der klei­ne Ka­ter wie ein ge­öl­ter Blitz durch den gan­zen Gar­ten auf mich zu ge­rannt, schau­te mich vol­ler Freu­de an, mi­au­te fröh­lich und ging auf Tuch­füh­lung zu mir. So­gar am Bauch ließ er sich krau­len. Ein Zei­chen ech­ten Ver­trau­ens. Auch die Fin­ger leck­te er mir mehr­mals ab. Ein Zei­chen tie­fer Ver­bun­den­heit. Mit al­len ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln brach­te er sei­ne Dank­bar­keit und Zu­nei­gung zum Aus­druck. Ich war dar­über er­staunt: Ob­wohl der klei­ne Ka­ter kei­nen Ver­stand hat, hat­te er doch ir­gend­wie be­grif­fen, dass ich ihm ein Zu­hau­se ge­ge­ben, ihm ge­hol­fen, ihn ver­sorgt und ihm mit der Hil­fe ei­nes Arz­tes das Le­ben ge­ret­tet hatte. 

Die­ses Er­leb­nis ist ein wun­der­bar an­schau­li­ches Bild da­für, was Je­sus für uns Men­schen ist. Er ist für uns ge­nau das, was ich aus Sicht des Ka­ters bin:

So wie her­ren­lo­se Kat­zen bei mir und mei­ner Fa­mi­lie ein Zu­hau­se fan­den, so fin­den her­ren­los ge­wor­de­ne Men­schen bei Je­sus An­nah­me und Auf­nah­me. Er gibt uns ein ewi­ges Zu­hau­se: „Im Haus mei­nes Va­ters gibt es vie­le Woh­nun­gen … ich wer­de euch zu mir ho­len, da­mit auch ihr da seid, wo ich bin.“ (Joh.14,2f)

So wie ich Mit­leid mit der Kat­ze hat­te, und ihr in ih­rer Not ge­hol­fen ha­be, so lei­det Je­sus mit uns und hilft uns aus der Not der Ver­lo­ren­heit, da­mit wir ge­ret­tet wer­den: „Ich war ganz elend und er hat mir ge­hol­fen.“ (Ps.116,6)

So wie ich mit der Kat­ze zu ei­nem Arzt ge­gan­gen bin, da­mit sie durch die Me­di­zin von ih­rer töd­li­chen Vi­rus­krank­heit ge­heilt wird und nicht stirbt, so ist Je­sus un­ser Arzt, der uns durch sein ver­gos­se­nes Blut von dem töd­li­chen Vi­rus der Sün­de heilt, da­mit wir nicht in Ewig­keit ster­ben: „Ich bin der HERR, dein Arzt“ (2.Mose15,26) sagt er uns zu. „Er hat sein Blut für uns ver­gos­sen, um uns von un­se­rer Schuld zu be­frei­en.“ (Offb.1,5)

So wie ich die Kat­ze mit dem Le­bens­not­wen­di­gen ver­sor­ge, so ver­sorgt uns der Herr mit dem, was wir zum Le­ben brau­chen: „Macht euch kei­ne Sor­gen um eu­er Es­sen und Trin­ken oder um eu­re Klei­dung… Eu­er Va­ter im Him­mel weiß, dass ihr all das braucht.“ (Mt.6,31f) 

Auch geist­li­che Nah­rung gibt uns der Herr durch sein kraft­vol­les Wort in der Bi­bel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot al­lein, son­dern von ei­nem je­den Wort, das aus dem Mund Got­tes geht.“ (Mt.4,4) 

Die Dank­bar­keit, Zu­nei­gung und das Ver­trau­en des klei­nen Ka­ters ha­be mich sehr be­rührt. Nicht nur er hat mich in sein Herz ge­schlos­sen. Auch ich ha­be ihn in mein Herz ge­schlos­sen. Täg­lich freue ich mich an ihm.

Wie wird es Je­sus mit uns ge­hen? Kann er von uns das er­le­ben, was ich durch die Kat­ze er­leb­te? Ha­ben wir die­se Freu­de über Je­sus? Kom­men wir im­mer wie­der fröh­lich zu ihm? Nach al­lem, was Je­sus als Arzt, Ret­ter und Ver­sor­ger für uns ge­tan hat und tut, ha­ben wir Men­schen vie­le Grün­de, ihn in un­ser Herz zu schlie­ßen, ihm dank­bar zu sein und ihm zu ver­trau­en. Ist es des­halb viel­leicht mal wie­der dran, Je­sus fröh­lich in die Ar­me zu laufen?

Gun­tram Wurst

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